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Marin Montagut: Die Faszination der Handwerkskunst in Paris

  • Autorenbild: Ruth Lintemeier
    Ruth Lintemeier
  • 18. Aug. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Aug. 2025

In den kleinen Gassen des sechsten Arrondissements liegt die Rue Madame Nummer 48. Nur wenige Schritte vom Jardin du Luxembourg entfernt, öffnet sich hier die Tür in eine andere Zeit. Dies ist das Reich von Marin Montagut – Künstler, Illustrator und Sammler französischer Lebensart.


Marin Montagut ist dem künstlerischen Handwerk von Kindesbeinen an verbunden. Er stammt aus Toulouse. Seine Familie ist im Antiquitätenhandel verwurzelt, und auch seine Großmutter war eine talentierte Künstlerin.



Ein Magnet für Besucher aus Fernost

Bei unseren regelmäßigen Besuchen in der Boutique fällt uns immer wieder auf: Das Geschäft ist ein Anziehungspunkt für asiatische Touristen, besonders für japanische Gäste. Die Beliebtheit ist kein Zufall: Montaguts Instagram-Account hat über 373.000 Follower. Er hat sein Geschäft zur Sehenswürdigkeit für stilbewusste Reisende aus Asien gemacht.

Die japanische Faszination für französische Ästhetik trifft hier auf Montaguts Inszenierung seiner Produkte. Diese Symbiose verkörpert genau jenes romantische Bild von Paris, das in Japan seit Jahrzehnten kultiviert wird.


Die Magie der Details: Motive und Botschaften

Montaguts Produkte sind mehr als Gebrauchsgegenstände. Sie sind handgefertigte Liebeserklärungen an Paris. Die berühmten Stühle des Jardin du Luxembourg zieren Gläser, Tassen, Kissen und Schals. Diese «Chaises du Luxembourg» sind zu seinem Markenzeichen geworden. Jedes handbemalte Glas trägt die Aufschrift «Jardin du Luxembourg». Die Gläser werden in seinen Pariser Werkstätten mundgeblasen und von Hand bemalt.



Seine Seidenschals zeigen Luftansichten der Pariser Gärten. Sie sind begleitet von charakteristischen Accessoires wie Palmen und den emblematischen grünen Stühlen. Die «vitrines à merveilles» (Wunderfenster) sind dreidimensionale Kunstwerke aus Pappmaché.



Der besondere Fund: Der Canotier

Zwischen all den Schätzen in Montaguts Boutique entdecken wir einen klassischen Canotier. Es ist ein Strohhut mit flacher Krone und flachen Krempen, geschmückt mit einem rot-blauen Band. Benannt wird dieser elegante Sommerhut nach den Freizeitkapitänen («canotiers»); sie rudern im späten 19. Jahrhundert auf der Seine.


Der Canotier wird im Laufe der Zeit zu einem Statussymbol. Frauen wie Männer tragen ihn beim Radfahren. Er ist leicht, schützt vor der Sonne und sieht dabei elegant aus. Gabrielle Chanel macht ihn zu ihrem Markenzeichen. Er ist ihr Gegenentwurf zu den überbordenden Damenhüten ihrer Zeit. Maurice Chevalier und Fred Astaire tragen ihn auf der Bühne. Renoirs berühmtes Gemälde «Das Frühstück der Ruderer» von 1890/91 verewigt ihn.


Heute ist dieser Strohhut mit seinem charakteristischen Band ein zeitloses Stück französischer Lebensart. Er ist perfekt für einen Sommerspaziergang durch Paris oder eine Radtour entlang der Seine und der Marne. Auch wir haben ihn in unsere Paris-Ausstattung aufgenommen!



Montaguts magische Welt erstreckt sich über drei Orte


Die Boutique in der Rue Madame Nummer 48 im 6. Arrondissement ist das Hauptgeschäft, in unmittelbarer Nähe zum Jardin du Luxembourg. Die ehemalige Polsterwerkstatt wurde in drei Räume unterteilt: einen Kuriositätenladen, ein Boudoir und ein Studio. Alle sind in verschiedenen Grüntönen gestaltet – vom Pariser Kiosk-Grün bis zum tiefsten Smaragd.


Die Kostbarkeiten entstehen in seinem Atelier in Montmartre. Fast alle Produkte werden hier von Hand gefertigt. Seine Kunsthandwerker malen täglich etwa fünfzehn Gläser. Es ist eine bewusste Entscheidung gegen die Massenproduktion. Jedes Stück ist ein Unikat. Es entsteht durch jahrhundertealte Techniken wie beispielsweise durch Gipsformen für das Porzellan.


Sein drittes Refugium ist sein Haus in der Normandie, seine «Maison du Bonheur» (Haus des Glücks). Seine Tomatenpflanzen haben die Produktion einer seiner Kerzen inspiriert – ihr Duft wurde in ihrem Wachs eingefangen.


Das Buch der verborgenen Schätze

Mit «Le Paris merveilleux de Marin Montagut» hat der Künstler ein wunderbares Buch geschaffen. Auf Französisch ist es bei Flammarion erschienen. Die deutsche Ausgabe trägt den Titel «Verborgene Schätze in Paris: Die schönsten Traditionsgeschäfte und Manufakturen der Stadt».


Das Buch porträtiert neunzehn der magischsten Handwerksbetriebe und Ateliers:


Die Maison du Pastel in der Rue Rambuteau Nummer 20 im 3. Arrondissement ist seit 1720 in Betrieb. Hier rollt man noch immer Pastellkreiden von Hand. Die Herstellung folgt einer geheimen, markenrechtlich geschützten Formel. Edgar Degas zeichnete seine anmutigen Tänzerinnen mit diesen Pigmenten. Die breit gestreute Farbpalette zieht bis heute Künstler aus aller Welt an.


Bei Magasin Sennelier am Quai Voltaire Nummer 3 im 7. Arrondissement beginnt die Geschichte bereits im 18. Jahrhundert. Damals gab es hier einen Farbenhändler. Seit 1887 ist das Geschäft in Familienbesitz. Gustave Sennelier belieferte einst Cézanne, der ihn drängte, seine Farbpalette zu erweitern. Degas kaufte hier seine berühmten weichen Pastelle. Später folgten Picasso, Sonia und Robert Delaunay sowie Nicolas de Staël. Heute ist David Hockney Stammkunde.


Die Fassade ist seit dem 19. Jahrhundert unverändert. Das Innere ist ein Labyrinth aus alten Theken und Eichenvitrinen. Über 35.000 Artikel lagern hier – Ölfarben, honigbasierte Aquarellfarben, Gouachen, Acrylfarben und Farbtusche in hunderten Tönen.


Die Passementerie Verrier in der Rue Orfila Nummer 10 im 20. Arrondissement wurde 1753 gegründet. Sie ist das letzte spezialisierte Posamentengeschäft in Paris. Seit fast drei Jahrhunderten fertigen hier Kunsthandwerker dekorative Vorhangquasten.


Das Geschäft für Tierpräparate Deyrolle in der Rue du Bac Nummer 46 im 7. Arrondissement ist ein Kuriositätenkabinett par excellence. Es verzaubert seit 1831 mit seiner surrealen Sammlung. Präparierte Tiere, schillernde Schmetterlinge und wissenschaftliche Instrumente füllen die Räume.


Beim Kurzwarengeschäft Ultramod in der Rue de Choiseul im 2. Arrondissement, seit 1832 in Betrieb, wählen Modedesigner ihre Materialien. Tausende von Hutgarnituren, Knöpfen, Bändern und kostbaren Stoffen warten hier auf ihre Käufer.


Die Féau Boiseries in der Rue Langier Nummer 9 im 17. Arrondissement verwandelt jede Wohnung in ein Schloss. Das gelingt mit restaurierten geschnitzten Türen und kunstvollen Zierleisten. Diese wurden aus herrschaftlichen Häusern gerettet.


À la Providence in der Rue du Faubourg Saint-Antoine Nummer 151 im 11. Arrondissement ist ein Paradies für Renovierungsliebhaber. Es bietet Beschläge und Armaturen aus allen Stilepochen.


Das Atelier Lorenzi in der Avenue Laplace Nummer 60 in 94110 Arceuil ist eine der letzten großen Gipsgießereien. Sie ist aktuell geschlossen. Die Librairie Jousseaume in der Galerie Vivienne 45-46-47 im 2. Arrondissement bewahrt die Tradition der Pariser Buchkultur. Die Antiquitätenhandlung Maison Soubrier in der Rue de Reuilly Nummer 14 im 12. Arrondissement gleicht eher einem Museum als einem Geschäft.


Weitere magische Orte vervollständigen Montaguts Sammlung. Die duftende Herboristerie de la Place Clichy in der Rue d’Amsterdam Nummer 87 im 8. Arrondissement stellt traditionelle Heilmittel aus Kräutern und Pflanzen her. Diverse Ateliers auf der Butte Montmartre beherbergen noch heute Künstler in historischen Räumen. Eine traditionelle Quincaillerie führt uralte Beschläge. Spezialisierte Werkstätten drucken Lithographien und restaurieren alte Holzarbeiten.


Jeder dieser Orte erzählt seine eigene Geschichte. Jeder bewahrt ein Stück der Pariser Handwerkskunst.


Adresse:

Marin Montagut, 48 Rue Madame, 6e


Buchempfehlung:

«Verborgene Schätze in Paris: Die schönsten Traditionsgeschäfte und Manufakturen der Stadt»

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