Die Auvergne im 17. Arrondissement: Legendrement Bon Maison JPH
- Klaus Lintemeier

- vor 6 Stunden
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Wir streifen durch das 17. Arrondissement, auf der Suche nach einer Mittagspause. In der Rue Legendre bleiben wir stehen. Eine nostalgisch anmutende Fassade erinnert an eine Charcuterie und an eine Fromagerie zugleich: «Produits d’Auvergne» prangt in goldener Schrift über der Markise, darunter «Legendrement Bon» und «Maison JPH». Darunter die Namen der französischen Départements Aveyron, Cantal und Corrèze. So viel Text auf einer Fassade macht neugierig. Wir treten näher.

Das Schaufenster ist ein Schlaraffenland: Blanquette de veau im Schmortopf, Quiche Lorraine auf der Etagère, Salate, Terrinen, Saucisson. Alles auf kleinen schwarzen Schildern säuberlich beschriftet. Zwischen den Köstlichkeiten thront ein goldener Eiffelturm. Wir nehmen draußen Platz, auf einer kleinen Terrasse am Bordstein.

Ein Mann mit der drahtigen Energie eines ehemaligen Küchenchefs tritt an den Tisch und bringt ohne Umschweife Gläser, Besteck und Servietten. Er empfiehlt eine Wurst- und Käseplatte mit Pastete und ein Glas Wein. Nach kurzer Zeit steht ein großes Holzbrett vor uns, bestückt mit dem Besten aus der Auvergne. Saint-Nectaire, Roquefort Papillon, Saint-Félicien. Saucisson Sec mit Nüssen und Feigen oder einem Kräuterbouquet aus Rosmarin, Thymian und Oregano. Dazu Cornichons, frisches Brot und Pastete aus Lothringen.

Als er das Brett präsentiert, wird schnell klar: Dieser Mann versteht sein Handwerk. Und er ist ein wunderbarer Gastgeber. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass er «JPH» ist – Jean-Paul Humbert, gelernter Koch und ehemaliger Küchenchef. Der Laden ist sein Leben, und das merkt man: Er erzählt von Stammkunden und Lieferanten, von traditionellen und neuen Rezepten, von einer Nachbarschaft, die sich über die Jahre verändert hat. Dass wenige Häuser weiter das Fünf-Sterne-Hotel La Fondation eröffnet hat, freut ihn. Es bringt neue internationale Gäste in die Rue Legendre.

Die Geschichte des Ladens beginnt 1967, als Jean-Claude und Nanou ihn von einer Frau aus der Corrèze übernehmen, die in den Ruhestand geht. Die beiden bereisen die Auvergne auf der Suche nach kleinen Produzenten, die hochwertige Ware für eine anspruchsvolle Kundschaft liefern. Mit manchen arbeiten sie fast vierzig Jahre zusammen, und wenn deren Kinder den Betrieb übernehmen, geht die Verbindung weiter.
2017 übernimmt Jean-Paul den Laden und führt ihn in ihrem Sinne fort. Er bewahrt die Tradition dieses Ortes und verbindet sie mit dem, was ihm als Koch am Herzen liegt: gesunde, natürliche Produkte von Erzeugern, die auf das Wohlergehen ihrer Tiere achten. In der kleinen «arrière-salle» hinter dem Laden serviert er im Winter auch Raclette mit Käse aus der eigenen Auslage. Die Gäste schwärmen davon. Dass der Gault Millau die Maison JPH 2023 ausgezeichnet hat, überrascht uns nicht.
Die Mittagspause wird lang. Als wir uns verabschieden, drückt uns Jean-Paul eine Flasche Rotwein und ein Stück Käse in die Hand. So verabschiedet man keine Gäste. So verabschiedet man Nachbarn. Und im Herzen sind wir das auch.
Legendrement Bon Maison JPH
46 Rue Legendre, 75017 Paris
Charcuterie, Fromagerie, Épicerie fine et Vin à Paris 17


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